Anders kann ich mir zumindest nicht erklären, was mir vor ein paar Tagen zum zweiten Mal passiert ist.
Aber zuerst die Vorgeschichte:
Die Postbank hat ein Produkt namens Giro plus.
Dabei handelt es sich um ein Konto, bei dem man
0,00 € Kontoführungsgebühr*
bezahlen muss. Natürlich befindet sich am Ende ein Stern und unten auf der Seite findet man
* ab einem monatlichen bargeldlosen Geldeingang von 1.250 € (Gehalt, Mieteinnahmen, Rente, etc.). (ansonsten kostet das Konto 5,90€ im Monat).
Da ich diese Bedingung erfülle, müsste ich doch eigentlich ein kostenloses Konto haben…oder?
Naja, generell stimmt das auch, wenn da nicht einer der folgenden zwei Fälle eintreten würde:
- Die Entwickler der genialen Postbank Abrechnungssoftware haben den Hilferuf von Bodo Tasche nicht gelesen ODER
- Die Angestellten der Postbank haben keinen Kalender oder können ihn nicht lesen
Der Leser möge nach der gleich folgenden E-Mail selbst entscheiden, welche Möglichkeit in Betracht kommt.
Jedenfalls ist mir vor einem halben Jahr auf meinem Kontoauszug eine Buchung von ca. 18€ aufgefallen. Als Verwendungszweck war Zinsen/Entgelt angegeben. Da ich meinen Dispokredit nicht nutze, war ich etwas skeptisch was diese „Gebühr“ betraf.
Ich rechnete nach – was für ein unglaublicher Zufall:
5,90€ (die Kontoführungsgebühren für jemanden, der einen Geldeingang von weniger als 1250€ im Monat hat) * 3 = ca. 18€.
Also schrieb ich eine E-Mail an den Postbank Service um herauszufinden, ob meine wahnwitzige Vermutung wohl stimmen könnte, dass mir 3 Monate lang fälschlicherweise Kontoführungsgebühren berechnet wurden.
Die E-Mail habe ich leider nicht mehr, aber dafür die Antwort, die natürlich mehr als eine Woche benötigte. Wenn man sich allerdings anschaut, welche riesigen Nachforschungen und Bemühungen diese E-Mail wohl in Anspruch genommen haben, versteht man die lange Wartezeit durchaus.
Zitat:
Guten Tag Herr Lippling,
vielen Dank für Ihre E-Mail.
Die Kontoführungsentgelte, die jetzt abgebucht wurden, sind die Entgelte für die Monate April, Mai und Juni 2007.
Diese Entgelte beinhalten Kontoführung, Porto und Sollzinsen. Eine genaue Auflistung der einzelnen Entgelte entnehmen Sie bitte der Anlage im Kontoauszug.
Wir führen Ihr Girokonto bei einem monatlichen Zahlungseingang ab 1.250 Euro entgeltfrei. Bei einem monatlichen Zahlungseingang unter 1.250 Euro berechnen wir ein Entgelt von 5,90 Euro pro Monat.
In allen drei Monaten konnte ich keinen Zahlungseingang in Höhe von 1.250 Euro feststellen. Bitte überprüfen Sie noch einmal Ihre Kontoauszüge.
Das Modell unseres Girokontos beruht auf dem regelmäßigen Zahlungseingang zwischen dem jeweils Ersten und Letzten eines Kalendermonats. Ausgenommen sind hier Bareinzahlungen sowie Umbuchungen vom Tagesgeldkonto oder Sparkonto.
Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Zahlungsüberschneidungen nicht berücksichtigen können.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Postbank E-Mail Team
Vermutung bestätigt!
Nach Anjas Vorbild (so hieß die Angestellte des Postbank E-Mail Teams) habe ich also auch eine intensive Recherche durchgeführt, die natürlich nicht im entferntesten an ihre Untersuchungen herankommen würde, da Postbank Mitarbeiter natürlich an viel mehr Informationen kommen als ich.
Aber gut, ein Versuch war es wert. Ich ging auf die Postbank Seite und wählte mich in das Onlinebanking-System ein. Durch einen Klick auf Kontoumsätze, Zeitraum alle Umsätze war ich schlauer. In den Monaten April, Mai und Juni hatte ich natürlich einen Geldeingang von mehr als 1250€, ansonsten hätte sich meine Vermieterin bestimmt bei mir gemeldet und nach der Miete gefragt.
Nun, sei es drum. Ich habe natürlich sofort eine E-Mail zurückgeschickt, in der ich Anja die Ergebnisse meiner Untersuchung mitteilte.
Anja gab auf und schrieb (anscheinend ohne zu wissen, wie denn wohl das Geschlecht eines Alexanders sein könnte – ok, den Namen hatte sie ja inzwischen vergessen):
Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,
vielen Dank für Ihre E-Mail.
Ich habe Ihr Anliegen an die zuständige Fachabteilung weitergeleitet. Sie erhalten schnellstmöglich eine Antwort – in der Regel auf dem Postweg. Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Geduld.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Postbank E-Mail Team
Nach einigen Tagen bekam ich analoge Post (die ich leider schon in den Papierkorb befördert habe), in der die Fachabteilung den Sachverhalt gründlich geprüft habe und zu dem Schluss gekommen sei, dass da wohl ein Fehler passiert sein müsse. Beeindruckt von dieser erbrachten Schlussfolgerung las ich etwas fassungslos die abschließenden Worte, die ich leider nur sinngemäß wiedergeben kann.
…
Die fehlenden Berechnungen sind darauf zurückzuführen, dass Sie immer am Ende des Monats ihr Gehalt bekommen und deshalb das Geld nicht mehr richtig im Abrechnungsmonat geltend gemacht werden kann. Um diesem Problem in Zukunft zu entgehen, bitten Sie ihren Arbeitgeber, das Geld früher zu überweisen.
…
Nach dem letzten Satz fiel mir fast das Blatt aus der Hand. Ich soll meinem Arbeitgeber sagen „überweisen Sie mir das Gehalt bitte früher“, weil die Postbank nicht in der Lage ist, mein Geld vernünftig zu verbuchen, wenn es am 28/29/30 auf dem Konto eingeht??
Mir fehlten die Worte, aber ich war froh, dass ich das Geld ein paar Tage später wieder auf dem Konto hatte.
Da fragt man sich „Wieso kündigt du bei der Postbank nicht einfach dein Konto und wechselst zu einer anderen Bank?“ Naja, jeder verdient eine zweite Chance und Fehler passieren nunmal.
Bleibt nur noch abschließend die Frage: „Wieso kommst du erst jetzt darauf, dafür einen Beitrag zu schreiben?“
Anfang Januar 2008 fand ich eine Abbuchung von 11,80€ mit dem Verwendungszweck Zinsen/Entgelt in meinem Kontoauszug…